Daniel

Daniel ist die Hauptfigur des gleichnamigen Buches im Tanach, das ihn als jüdischen Apokalyptiker, Traumdeuter und Seher im babylonischen Exil beschreibt, dem Gott JHWH das Ende der Weltreiche und das ewige Reich Gottes offenbarte. Obwohl das Buch vorgibt, im 6. Jahrhundert v. Chr. verfasst worden zu sein, datieren die meisten Exegeten die Visionen (ab Kapitel 7) in die Zeit der Makkabäerkämpfe gegen Antiochos IV. (167–164 v. Chr.), da sie dessen Untergang und die Auferstehung der gerechten Juden ankündigen. Der Name bedeutet „Gott hat Recht verschafft“ und diente den unbekannten Autoren als Deckname, um sich vor der damaligen Verfolgung zu schützen. Das Buch gehört im Judentum zu den Ketuvim (Schriften), im Christentum zu den großen Propheten, und beeinflusste das Urchristentum maßgeblich. Besonders bedeutsam sind die Rückbezüge im Neuen Testament, etwa die Selbstbezeichnung Jesu als „Menschensohn“ (Dan 7,13) und der Begriff des „Gräuels der Verwüstung“ (Dan 9,27). Diese apokalyptischen Visionen prägten später den Messianismus und Millenarismus und machten das Buch zu einem Schlüsseltext der biblischen Apokalyptik.