Eisenbahnbrücke Wesel

Die historische Eisenbahnbrücke Wesel wurde von 1872 bis 1874 von der Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft als Teil der Hamburg-Venloer Bahn erbaut und war mit 1950 Metern Länge die längste Rheinbrücke ihrer Zeit sowie die nördlichste Deutschlands. Der preußische Staat erzwang die Streckenführung über die Festung Wesel, um die Brücke militärisch nutzen zu können – so wurde sie mit Bohlen für andere Fahrzeuge und Verteidigungsanlagen wie dem noch heute erhaltenen Fort I ausgestattet. Die Ziegelsteine für die Vorlandbrücken brannte man direkt auf der Baustelle aus dem Lehm der Pfeilergruben, und das Bauwerk erhielt 1873 auf der Weltausstellung in Wien ein Ehrendiplom. Im Zweiten Weltkrieg diente die Brücke als letzte Rückzugslinie der Wehrmacht, bis deutsche Pioniere sie am 10. März 1945 auf Befehl von General Alfred Schlemm sprengten – nur drei Tage nach der Eroberung der Ludendorff-Brücke bei Remagen. Nach dem Krieg wurde nur die seit 1917 parallel verlaufende Straßenbrücke wiederaufgebaut, während die Eisenbahnbrücke nie neu errichtet wurde; die störenden Strompfeilerreste beseitigte man erst 1968. Heute ist das historische Bauwerk Teil der Route der Industriekultur und erinnert an die enge Verbindung von Eisenbahngeschichte, Militärstrategie und Technik am Niederrhein.