Ballistische Rakete

Ballistische Raketen sind militärische Geschosse, die ein Bodenziel auf einer ballistischen Kurve erreichen – im Gegensatz zu Marschflugkörpern besitzen sie kein Tragwerk und keinen Marschtriebwerk, sondern werden nur in der Start- und Mittelphase angetrieben. Ihre Flugbahn weicht bei großen Reichweiten von der idealen Parabel ab und wird durch Erdkrümmung, Luftwiderstand und die Gesetze der Himmelsmechanik zu einer elliptischen Bahn. Für die präzise Steuerung ist ein Trägheitsnavigationssystem nötig, das erstmals im Zweiten Weltkrieg bei der deutschen A4-Rakete (V2) mit Kreiselinstrumenten eingesetzt wurde; heute wird es durch Satellitennavigation wie GPS oder GLONASS ergänzt. Militärisch werden ballistische Raketen je nach Reichweite als ICBM, SLBM oder Kurzstreckenraketen klassifiziert und dienen meist als strategische Nuklearwaffen. Als Reaktion auf Raketenabwehrsysteme wurden steuerbare Gefechtsköpfe wie MARV entwickelt, die auch bei der russischen Iskander zum Einsatz kommen, sowie luftgestützte Varianten wie die AGM-48 Skybolt und die russische Ch-47M2 Kinschal. Die Abwehr solcher Raketen – die Anti-Ballistische Raketenabwehr – ist seit den 1960er-Jahren ein zentrales Thema der nationalen Sicherheitspolitik, insbesondere der USA.