Nachrichtendienst

Ein Nachrichtendienst ist eine Organisation (meist eine Behörde), die Informationen sammelt und auswertet, um Regierungen Erkenntnisse in Bereichen wie Politik, Wirtschaft oder Militär zu liefern; ein Geheimdienst geht darüber hinaus und führt auch aktive Maßnahmen wie Sabotage oder politische Beeinflussung durch. Man unterscheidet zwischen Auslandsnachrichtendiensten (Sammlung von Informationen aus anderen Staaten) und Inlandsnachrichtendiensten (z. B. Spionageabwehr, Verfassungsschutz, Terrorismusbekämpfung), wobei die Methoden von menschlichen Quellen (HUMINT) über frei verfügbare Daten (OSINT) bis zur technischen Überwachung des Fernmeldeverkehrs (SIGINT) reichen – die Befugnisse variieren dabei stark je nach Staat.

Historisch nahm das Vereinigte Königreich ab den 1870er-Jahren eine Vorreiterrolle ein; ein Meilenstein war das UKUSA-Abkommen von 1947, dem sich Kanada, Australien und Neuseeland sowie später weitere Länder wie Deutschland anschlossen, woraus das globale Abhörsystem Echelon entstand, das erst 1999 öffentlich wurde und 2001 im EU-Parlament thematisiert wurde. In der Bundesrepublik wurden 1950 das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sowie 1956 der Bundesnachrichtendienst (BND) und der Militärische Abschirmdienst (MAD) gegründet. Zu den bekanntesten Enthüllungen gehören die Flucht der US-Überläufer Mitchell und Martin in die Sowjetunion (1960) sowie die Veröffentlichung von 700.000 Geheimdienstdokumenten durch Chelsea Manning im Jahr 2010 über WikiLeaks, was die Spannweite zwischen geheimer Spionage und öffentlicher Transparenz eindrucksvoll zeigt.