Marschflugkörper

Ein Marschflugkörper ist ein unbemannter Lenkflugkörper mit Sprengkopf, der sich durch einen aerodynamischen Flug in extrem geringer Höhe (15 bis 100 Meter) von ballistischen Raketen unterscheidet und dadurch für gegnerisches Radar und Infrarotsensoren nur schwer zu erkennen ist. Angetrieben wird er meist von einem Mantelstromtriebwerk, wobei die neuesten Modelle auf Staustrahltriebwerke setzen; die Navigation erfolgt über eine Kombination aus Trägheitsnavigation, Gelände-Kontur-Abgleich und Satellitennavigation. Die Waffe kann von U-Booten, Schiffen, Flugzeugen oder vom Land aus gestartet werden und wird je nach Größe, Geschwindigkeit und Reichweite kategorisiert. Die Entwicklung begann bereits im Ersten Weltkrieg, etwa mit dem US-amerikanischen Kettering Bug (1917–1920) und den Torpedogleitern von Siemens-Schuckert in Deutschland, von denen bis 1918 rund 100 Stück gebaut wurden. In den 1930er Jahren testete das NS-Regime Lufttorpedos, und 1942 entwickelte Blohm & Voss den L 10 „Friedensengel“, von dem 450 Stück produziert und an der Junkers Ju 88A-4 befestigt wurden. Diese frühen Entwicklungen legten den Grundstein für die modernen, hochpräzisen Marschflugkörper, die heute eine zentrale Rolle in der militärischen Luft- und Seekriegsführung spielen.