Halberstädter Würstchen- und Konservenvertrieb

Die Halberstädter Würstchen- und Konservenvertriebs GmbH & Co. KG wurde 1883 von Friedrich Heine gegründet und gilt als weltweiter Erfinder der Dosenwurst, da sie bereits 1896 als erstes Unternehmen Brühwürste in Konservendosen anbot. In der DDR waren die Produkte als begehrte „Bückware“ extrem beliebt; nach der Wiedervereinigung übernahm 1992 der Fleischermeister Ulrich Nitsch den Betrieb, der heute von seiner Tochter geführt wird.

Das Qualitätsgeheimnis der Würstchen ist die patentierte „Kaminräucherung“ mit Buchenholz und eine Reifezeit von 24 bis 36 Stunden; seit 2010 trägt das Produkt das EU-Siegel „geschützte geografische Angabe“, wodurch nur echte Halberstädter Würste diesen Namen tragen dürfen. Zum Sortiment gehören heute neben Bockwurst auch Suppen, Eintöpfe und Fertiggerichte, wobei die Jahresproduktion bei rund 1.200 Tonnen liegt und die denkmalgeschützte Produktionsstätte mit einem Hotel und Brauhaus verbunden ist.

Doch das Traditionsunternehmen ist schwer in Schieflage geraten: Nach einem Insolvenzantrag 2023 und einer Neugründung 2024 folgten weitere finanzielle Engpässe, sodass im Juni 2026 die Produktion vorläufig eingestellt wurde. Die Unternehmerfamilie Nitsch hat im April 2026 den Verkauf des Unternehmens angekündigt, wovon aktuell rund 150 Mitarbeiter betroffen sind.