Boykott

Ein Boykott ist ein organisiertes Druckmittel, durch das Personen, Unternehmen oder Staaten systematisch vom Geschäftsverkehr ausgeschlossen werden, um wirtschaftliche, soziale oder politische Ziele zu erzwingen. Der Begriff geht auf den englischen Grundstücksverwalter Charles Cunningham Boycott zurück, der 1880 in Irland nach einer Aktion von Charles Stewart Parnell isoliert wurde und so dem ersten historischen Boykott seinen Namen gab. Frühe Beispiele reichen von der mittelalterlichen „Verhansung" in der Hanse bis zum Kampf des Quäkers Benjamin Lay gegen Sklavenwaren (1758) und Gand his Nichtkooperationskampagne in Indien (1920–1922). Im 20. Jahrhundert führte ein 1927 initiierter Verbraucherboykott gegen die Ford Motor Company schließlich zur öffentlichen Entschuldigung von Henry Ford, während die Nationalsozialisten 1933 den berüchtigten „Judenboykott" jüdischer Geschäfte ins Leben riefen. Weitere prominenten Beispiele sind die Bus-Boykotte der US-Bürgerrechtsbewegung, der S-Bahn-Boykott in West-Berlin 1961 gegen den Mauerbau sowie der Arab-Boykott gegen Israel (1948 bis in die 1990er Jahre). In der Theorie von Gene Sharp zählt der Boykott zu den 198 Aktionsformen der Gewaltfreien Aktion und gilt damit als weltweit genutztes, ziviles Instrument des Protests.