Ruthenische Sprache

Die ruthenische Sprache (auch Prostaja Mowa genannt) war eine ostslawische Sprache, die vom 14. bis ins 18. Jahrhundert im Großfürstentum Litauen bzw. in Polen-Litauen als Amts- und Schriftsprache diente. Sie gilt als direkter Vorläufer des heutigen Belarussischen, Ukrainischen und Russinischen und wird daher auch als „Altbelarussisch“ oder „Altukrainisch“ bezeichnet. Zu den bedeutendsten Werken zählen die Bibelübersetzung von Franzischak Skaryna (Prag, 1517–1519) und das Evangeliar von Peressopnyzja (1556–1561), wobei die Sprache in kyrillischer, seltener lateinischer und sogar arabischer Schrift (bei Tataren) geschrieben wurde. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Ruthenische jedoch zunehmend vom Polnischen verdrängt und überlebte nur noch in der ländlichen Bevölkerung, bis es im 18. Jahrhundert aus dem offiziellen Gebrauch verschwand. In Österreich-Ungarn blieb der Begriff „Ruthenisch“ bis zu dessen Zerfall 1918 als Bezeichnung für die Sprache der ukrainischen Untertanen erhalten. Die Sprache war zudem ein wichtiges Medium der konfessionellen Polemik zwischen Orthodoxen, Unierten, Katholiken und Protestanten im 16. und 17. Jahrhundert.